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Besichtigung des Burgareals
Burgarchitektur
Bei einer selbständigen Besichtigung des Burgareals kann der Besucher Beispiele der frühen
Burgarchitektur besichtigen, die in Tschechien zu den bemerkenswertesten zählt.
Zu der Zeit, wo das Geschlecht von Landštejn die Burg besaß, erfüllte sie insbesondere eine Schutz- und Militärfunktion, wovon sich die schroffe, rein zweckbedingte Architektur ableitet. Der Burgkern bestand aus einem großen Prismenturm (dem sog. Bergfried) auf der Südseite, auf der Nordseite dann aus einem bewohnbaren Turm mit einer Kapelle. Beide Türme wurden später durch einen zweistöckigen Palast verbunden. Eine gewaltige, an die beiden Türme angeschlossene Mauer, grenzte das fünfeckige Burgareal mit Hof ab, der durch ein romanisches Tor am Bergfriedfuß betreten wurde. Von komplizierteren architektonischen Elementen wurde nur im Raum der Burgkapelle des Hl. Georg Gebrauch gemacht, deren Einweihung das erste Mal 1495 belegt wurde.
Die Kapelle hatte ein Tonnengewölbe. Im Westteil war darin eine Tribüne hineingebaut, von der aus der Burgherr den Gottesdiensten zusah. Die Überreste der Fresken belegen die Ausnahmestellung, die dieser Stelle zugemessen wurde.
Trotz des einfachen Baustils (die Burg wurde aus Bruchstein gebaut, lediglich die Turmecken sind von bearbeiteten Quadern verbunden), gab es, was den monumentalen Charakter der Burg betrifft, in dieser Epoche sonst keine vergleichbare. Sie ermöglichte auch einer kleinen Militärgarnison einen dauerhaften Schutz.
Die Ankunft des Geschlechts von Krajíř bedeutete für Landštejn eine neue sowohl politische als auch architektonische Entwicklung. Die schroffe, kalte Gotik räumte allmählich die Position der unbestritten komfortableren und lebensnaheren Renaissance. Die Ansprüche an das luxuriöse Wohnen riefen die Notwendigkeit eines grundlegenden Burgumbaus hervor. Die Krajířs erledigten die Sache dermaßen großzügig, dass sie den heutigen Forschern eine lange Reihe von Fragezeichen hinterließen.
Sie wandelten die Burg in eine anspruchsvolle und ansehnliche Residenz um, die zu den führenden Feudalsitzen in Böhmen der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zählte. Der großzügige Umbau der Burg begann in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts mit dem Bau des zu Wohnzwecken bestimmten Schutzturms außerhalb der südlichen Mauer. Dadurch verschloss sich der ursprüngliche Eingang in die Burg und das neue Tor wurde im Ostteil des Hofs durchbrochen. (Dieser Eingang wird bis heute benutzt.) Die Modernisierung ging weiter durch die Erhöhung der beiden Türme und des dazwischen stehenden Palastes um ein Stockwerk. Vor den ursprünglichen romanischen Palast wurde in der Richtung des Hofs ein neuer bewohnbarer Flügel mit einer neuen Kapelle hinzugebaut. Später ergänzte man die Hofumbauung durch den Einbau eines gewaltigen Flügels des Renaissancepalastes, dessen Außenseite die ursprüngliche Mauer bildete. Die moderne Bauauffassung brachte unter anderem das Durchbrechen der ursprünglichen Mauer für den Einbau der ein-, zwei- sowie dreiteiligen Fenster.
Diese faktische Zerstörung der eigentlichen Mauern bedeutete den gleichzeitigen Bau eines neuen Schutzsystems. Daraus ergab sich eine beträchtliche Vergrößerung des Grundrisses der gesamten Burg, deren Befestigungssystem mit ausgedehnten Gräben und Mauern mit Basteien ergänzt wurde.
Die großzügigen architektonischen Projekte in diesem Sitz der Krajíř haben das Geschlecht dermaßen finanziell erschöpft, dass es gezwungen wurde, die Burg 1579 zu verkaufen. Seit der Zeit wechselte die Burg Landštejn oft ihre Besitzer, verkam und den definitiven Untergang bedeutete das Jahr 1771, wo sie nach einem Blitzschlag vollständig niederbrannte. Wegen Verschuldung des damaligen Besitzers wurde sie nicht erneuert und verwandelte sich seit der Zeit in eine Ruine.
In den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde mit einer Konservierung und Rekonstruktion des Burgareals begonnen. Gleichzeitig wurde eine archäologische Schutzforschung aufgenommen, die zahlreiche Erkenntnisse über die Vergangenheit der Burg in Form von sachlichen Funden sowie in Form von der Aufklärung der bis zu der Zeit unbekannten Bauphasen des Gebäudes lieferte.






