Jindřichův Hradec

Jindřichův Hradec

Die Stadt Jindřichův Hradec (dt. Neuhaus) liegt in Südböhmen am Fluss Nežárka rund 43 km nordöstlich von České Budějovice entfernt. Mit ungefähr 21.000 Einwohnern ist sie die Bezirksstadt des gleichnamigen Bezirks.  In unmittelbarer Nähe des historischen Zentrums von Neuhaus befindet sich der Vajgar-Teich mit einer Fläche von 49 ha. Außerdem erstreckt sich die Stadt auf einer Landzunge der Flüsse Nežárka und Hamerský potok. Wer schon einmal seine Ferien in Italien verbracht hat, der wird sich sowohl durch die Architektur als auch das Flair der Stadt an Italien erinnert fühlen. Prächtige Gebäude im Stil der italienischen Renaissance, hübsche Gässchen, Parks und Teiche zum Spazieren machen Jindřichův Hradec zu einem empfehlenswerten Ausflugsziel. Da sich auch die Gastronomie in den letzten Jahren sehr gemausert hat, sollten Böhmen-Urlauber Jindřichův Hradec unbedingt mit in ihren Reiseplan aufnehmen.

Geschichte

Die Besiedlung der Ortschaft begann höchstwahrscheinlich schon im 10. Jahrhundert.  Damals entstand oberhalb der Nežárka ein slawischer Burgwall. Mit der Zeit entwickelte sich auf dem  Wall eine Burg. Im 12. Jahrhundert war sie im Besitz  des böhmischen Adelsgeschlechts der Witigonen. Nach dem Tod ihres Stammvaters Witiko von Prčice erhielt sein älterer Sohn Heinrich I. von Neuhaus zusammen mit dem heutigen Stadtgebiet von Neuhaus auch weitere Ortsteile in Südböhmen und Westmähren.  Der Ort mit bisherigen Namen „Nova domus“, „Gradecz“ und „Newenhaus“ wurde von Heinrich I. von Neuhaus Jindřichův Hradec benannt.

Vajgar
Inmitten schöner Natur gelegen, ist Jindřichův Hradec bei Natururlaubern sehr beliebt.

Im 15. Jahrhundert war die Stadt von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Damals lag sie an einem wichtigen Handelsweg zwischen Prag und Wien. In Teichwirtschaft, Schafzucht und Tuchmacherei rangierten Neuhaus sogar auf den Platz Nummer 2 nach Reichenberg. Im 19. Jahrhundert verlor die Stadt jedoch ihren wirtschaftlichen Einfluss. Während des Zweiten Weltkrieges wurde Jindřichův Hradec durch Bombenangriffe stark zerstört. Nach der Samtenen Revolution wurde die denkmalgeschützte Altstadt restauriert.

Sehenswertes in Jindřichův Hradec

Schloss Jindřichův Hradec

Über einem Fischteich erhebt sich die Schlossanlage. Das Schloss Jindřichův Hradec beeindruckt schon von Weitem durch seine imponierenden Ausmaße. Mit einer Fläche von 3,5 Hektar und insgesamt 320 Zimmern ist es der drittgrößte Burgkomplex in Tschechien nach der Prager Burg und dem Schloss in Český Krumlov. Seit 1958 steht das Schloss unter Denkmalschutz. Zugleich ist es auch ein Nationales Kulturdenkmal Tschechiens.

Das Schloss Jindřichův Hradec
Das Schloss Jindřichův Hradec ist eine der größten Schlossanlagen Tschechiens.

Seine Geschichte geht bis ins 10. Jahrhundert zurück. Von der ehemaligen Wasserburg blieb nur der Alte Palast mit der Heiliggeistkapelle erhalten. Trotzdem gehört das Schloss Jindřichův Hradec mit seiner Architektur und den wertvollen Schlosseinrichtungen immer noch zu den sehenswertesten Bauten in Südböhmen. Im Inneren werden zahlreiche Bilder, Bücher, Möbelstücke und Porzellan aufbewahrt. In drei verschiedenen Schlossrundgängen können der gotische Palast, der Renaissance Palast sowie die schwarze Küche besichtigt werden. Der kleine Schlossgarten mit Rondell und der Burgturm sind ebenfalls zugänglich. Teilweise ist das Schloss barrierefrei.  Angeleinte Hunde dürfen mit in den ersten und zweiten Burghof genommen werden.

Guiness-Rekord im Museum

Eines der ältesten Museen Böhmens kann man in Neuhaus besuchen. Das Museum im Gebäude des ehemaligen Jesuitenkollegs präsentiert als Highlight die größte mechanische Weihnachtskrippe der Welt. Sie wurde von Tomáš Krýza fertiggestellt. Die Krippe ist sogar im Guinness-Buch der Rekorde eingetragen.

Das historische Stadtzentrum, ein städtisches Denkmalreservat

Auf dem sehenswerten Marktplatz mit Renaissance- und Barockhäusern erinnert die große Dreifaltigkeitssäule an die früheren Pestepidemien. Am Marktplatz stechen das ursprünglich gotische Rathaus sowie das nennenswerte (dt. Langer-Haus) heraus. Das Gebäude mit den Bibelmotiven auf seiner Fassade stammt aus dem Jahr 1535 und zählt zu den ältesten Bauten der Stadt.

Langrův dům
Die Fassade des Langer-Hauses am Marktplatz

In der Kirche des hl. Johannes der Täufer bewundert man im Kreuzgang die spätgotischen Fresken. Die Besichtigung der gotischen Tuchmacherkapelle sowie der barocken Marienkapelle ist ein weiterer guter Tipp.

Ausflugsziele rund um Jindřichův Hradec

Wie auch Neuhaus selbst, ist die ganze Region sehr attraktiv. Südöstlich der Stadt erstrecken sich viele Naturschutzgebiete. Hier erwarten Wanderer und  Radfahrer beinahe endlose Freizeitmöglichkeiten. Im Winter finden auch Skifahrer im Gebiet gute Bedingungen vor. Der Vysoký kámen mit seinen 738  Metern liegt bei Kunzak und gilt als der größte Gipfel der Region. Manchmal wird er auch der Große Stein und Grenzstein genannt.

Etwa 20 Kilometer nordwestlich von Jindřichův Hradec befindet sich das märchenhafte Wasserschloss Červená Lhota (deutsch Rothlhotta) inmitten eines künstlichen Teiches. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Von Ende März bis Ende Oktober sind Schlossbesichtigungen möglich. Neben den Schlossaustellungen und dem  herrlichen Garten versprechen die Gondeln auf dem Schlossteich ein schönes Erlebnis. Im Schloss wurde das berühmte tschechische Märchen von der Prinzessin Goldhaar gedreht. Die Burg Landstein und die Burg von Serownitz sind auch beide den Besuchern zugänglich.

Fotos:

Jindřichův Hradec von gladiator01, Pixabay
Jindřichův Hradec von Jitka Erbenová (cheva) – Eigenes Werk, [CC BY-SA 3.0], Wikimedia Commons
das Schloss Jindřichův Hradec von Herbert Ortner, Vienna, Austria – Eigenes Werk, [CC BY 2.5], Wikimedia Commons
die Fassade des Langer-Hauses von Matěj „Dědek“ Baťha, [CC BY-SA 4.0], Wikimedia Commons